Als Mediatrice Mukasharangabo 2006 ihre Selbsthilfegrupppe „Association WIKWIHEBA MWANA“ gründete, wusste sie noch nicht, dass aus dieser kleinen Gruppe in den nächsten Jahren eine Anlaufstelle für Familien mit Kindern mit Behinderung aus der ganzen Ostprovinz Ruandas werden sollte.

Mit anderen Familien hatte sich Mediatrice als Mutter zweier an Epilepsie leidender Kinder zusammengeschlossen, um den Alltag mit behinderten Kindern zusammen besser zu meistern. Da einige Eltern in den kommenden Monaten immer häufiger ihre Kinder mit Behinderung in Mediatrice' Obhut geben wollten, wurde aus der „Association WIKWIHEBA MWANA“ bald „Centre WIKWIHEBA MWANA“, ein Zentrum, in dem Mädchen und Jungen mit Behinderung dauerhaft wohnen können. „WIKWIHEBA MWANA“ heißt: Kind sei nicht hoffnungslos. Hier im Zentrum sollte dieses Motto durch die Betreuung und Versorgung mit ausreichend Nahrung, Kleidung und Medikamenten umgesetzt werden.

Geistig oder körperlich behindert zu sein heißt in Ruanda, dass die Möglichkeiten sich zu entwickeln und teilzuhaben an der Gesellschaft sehr eingeschränkt sind.

Viele Familien sind mit der Versorgung behinderter Kinder überfordert: "Warum kann mein Kind nicht sprechen wie alle anderen Kinder in seinem Alter? Warum bewegt es sich so seltsam? Der Arzt in der Gesundheitsstation sagt, ich müsse in die Hauptstadt, dort gibt es Spezialisten – wie soll ich das Ticket dorthin bezahlen? Wo finde ich diesen Arzt genau? Wie soll mein Kind zur Schule kommen, wenn es nicht laufen kann? Wie soll ich dieses Kind mit sieben Jahren noch immer auf dem Rücken tragen, weil es noch immer ist wie ein Baby? Wenn die Nachbarn sehen, dass wir ein behindertes Kind haben…"

Médiatrice Mukasharangobo erkannte diese Hilflosigkeit der Eltern und die damit verbundenen, oft schlechten Bedingungen, unter denen Kinder mit Behinderung in Ruanda leiden.

Das Zentrum WIKWIHEBA MWANA ist zu einem vielschichtigen kleinen Unternehmen gewachsen, mit den Wohnräumen der Kinder als Kernstück der Organisation.

Nachdem die Organisation bis zum Beginn des Jahres 2011 immer wieder in wechselnden Miethäusern untergebracht war, ist in den letzten Jahren ein eigenes Haus auf eigenem Grund und Boden entstanden. Auf einer Fläche von etwa 6.000m² befinden sich Schlafräume, Aufenthaltsraum, Therapieraum, Empfangsraum, Wohnbereich der Einrichtungsleiterin, Büro, Koch- und Waschbereich, Toilette, Innen- und Hinterhof, sowie eine Rasenfläche zum Spielen, Ruhe-/Gebetsraum für die Betreuerinnen und ein Raum zur Fertigung des Kunsthandwerkes. Das Gelände ist großzügig umzäunt und wird nachts von einem Nachtwächter bewacht.

Zum WIKWIHEBA MWANA gehört außerdem ein Feld, das zur Zeit als Viehweide für die drei Kühe des Zentrums genutzt wird und direkt neben den Gebäuden für die Kinder liegt. Im Dorfzentrum (ca. 10min Fußweg entfernt) befindet sich das zum Zentrum gehörende Internetcafé und ein kleiner Laden, in dem unter anderem die überschüssige Milch angeboten wird. Etwa zehn Mütter, die ihre Kinder mit Behinderung zu Hause betreuen, kommen zwei Mal pro Woche in das Zentrum zur Fertigung von Kunsthandwerk aus Blättern der Bananenstaude und Zuckerrohr. Dieses Kunsthandwerk wird in Deutschland (auch von INGEAR) verkauft.

Zur Zeit wohnen im Zentrum 38 Mädchen und Jungen im Alter von zwei bis 20 Jahren.

Die BewohnerInnen sind in sehr unterschiedlicher Art und Weise in ihrem Alltag eingeschränkt, von einer leichten Gehbehinderung bis zu schweren Mehrfachbehinderungen. Kinder ab dem siebten Lebensjahr besuchen die öffentliche Schule Ngaramas, die jüngeren bzw. schwerbehinderten Kinder verbringen ihren Tag im Zentrum. In den Schulferien können die Mädchen und Jungen von ihren Eltern abgeholt werden, wenn die Kinder dies möchten und die Familien dazu bereit sind.

Im Zentrum liegt der Fokus auf der Grundversorgung: Regelmäßige Medikamentengabe, saubere Kleidung, Kontinenzversorgung, regelmäßige, ausgewogene Ernährung. Dies wird vor allem von den „Mamas“ (Betreuerinnen) gewährleistet. Ein Physiotherapeut, eine Sozialpädagogin sowie eine weltwärts-Freiwillige beschäftigen und therapieren die Kinder von montags bis freitags.

Viele Familien warten im Moment auf einen Platz für ihr Kind im Zentrum, allerdings sind weitere Aufnahmen zur Zeit nicht möglich.

Ein zentrales Problem ist das Finden von geeignetem und zuverlässigem Personal, sowie die eingeschränkte Mobilität.

Zum Einen gibt es in Ruanda kaum die Möglichkeit im Fach der Sonder- oder Sozialpädagogik ausgebildet zu werden und zum Anderen liegt das Zentrum in einem Dorf weit entfernt von der Hauptstadt. Gut ausgebildete Menschen kommen nur ungern in die Dörfer und verlangen dann auch sehr hohe Gehälter. Aus diesem Grund arbeitet Médiatrice Mukasharangabo vor allem mit ungelernten Arbeiterinnen, die oft nur unter Druck und Kontrolle zuverlässig arbeiten und nach einigen Monaten das Zentrum wieder verlassen. Vor allem die BewohnerInnen mit geistiger oder Mehrfachbehinderung können noch nicht optimal gefördert werden.

Auch ist die Lage ein Problem in puncto Mobilität. Früh morgens fahren die öffentlichen Busse in die Hauptstadt Kigali, mittags wieder zurück nach Ngarama. Muss ein Kind zu einer Untersuchung, Kontrolle, Anpassung von Orthesen nach Kigali, ist die Fahrt dorthin und wieder zurück ein Problem, denn selten sind die Termine mittags abgeschlossen und eine Übernachtung in der Hauptstadt ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. Ein eigenes Auto besitzt das Zentrum nicht.

Da es in Ruanda an Einrichtungen dieser Art oder begleitenden, unterstützenden Behörden für betroffene Familien mangelt, ist die Nachfrage nach Plätzen im Zentrum sehr hoch. Médiatrice Mukasharangabo ist daher gezwungen, Kinder abzulehnen, da eine gute Betreuung und Unterbringung bei zu vielen Kindern nicht mehr gewährleistet werden kann.

Hauptsächlich wird das Zentrum von ausländischen Spenden finanziert. Dies birgt immer ein gewisses Risiko, falls die Spender sich zurückziehen und erzeugt außerdem Abhängigkeiten. Ruandische Unterstützung kommt sehr unregelmäßig an und macht eine langfristige Planung unmöglich.

Weitere Anschaffungen sollen den Alltag erleichtern und unabhängiger machen.

In den nächsten Jahren möchte die Leiterin nach Möglichkeit ein Auto anschaffen, um das Zentrum unabhängig zu machen vom öffentlichen Verkehr. Außerdem soll eine eigene Kochbananenplantage eine weitere Einnahmequelle bzw. ein Ersparnis bei den regelmäßigen Ausgaben sein.

Langfristig sollen die bereits bestehenden eigenen Einnahmequellen ausgebaut werden und auf diesem Weg die Einrichtung unabhängig von ausländischen Spendern machen.

INGEAR bietet mit regelmäßigen Spenden eine Basis für die monatliche Auszahlung der Gehälter sowie die Nahrungsmitteleinkäufe.

Monatlich werden dem Zentrum von INGEAR die finanziellen Mittel für die Bezahlung der Mitarbeiter sowie die Lebensmittel für die BewohnerInnen zur Verfügung gestellt. Anhand von Gehaltsabrechnungen, sowie Ausgabenlisten für Lebensmittel kann INGEAR in Zusammenarbeit mit Médiatrice Mukasharangabo den monatlichen Bedarf ermitteln und gegebenenfalls anpassen.

Außerdem hat INGEAR sich bei der Fertigstellung des Zentrumsgebäudes beteiligt, sowie durch einzelne Sonderspenden z.B. die Anfertigung und Beschaffung von Hilfsmitteln, Orthesen und Operationen begleitet.

Mehr erfahren in unserem Blog: INGEAR in Ruanda