Der lange „Schul-Irrweg“ hat endlich ein Ende für die 15-jährige Sandani Mandira Gamage.
Seit Februar 2012 besucht sie nun die „Class of Hope“. Zuerst besuchte sie die Regelschule, aber aufgrund ihrer geistigen Behinderung konnte sie dort nicht ausreichend gefördert werden, weshalb sie auf eine Sonderschule wechselte. Aber selbst dort fühlte sich Sandani nicht gut aufgehoben und war oft überfordert, da die Sonderschule in Sri Lanka nur auf den mittleren Schulabschluss vorbereitet, ohne individuell auf die SchülerInnen einzugehen. Sandani ist ein sehr fröhliches Mädchen, das alle mit ihrer guten Laune ansteckt. Ihre großen Leidenschaften sind Tanzen und Singen. So träumt sie davon, eines Tages eine berühmte Sängerin zu werden. In der „Class of Hope“ wird aber nicht nur ihr musikalisches Talent gefördert, sondern auch Rechnen, Schreiben und Lesen geübt und lebenspraktische Dinge wie Kochen, Einkaufen und Busfahren trainiert. Sandani hofft, eines Tages unabhängig von ihren Eltern zu leben. Ihr großer Traum ist es, sich selbst versorgen zu können. Vielleicht kann ja Singen und Tanzen einmal ein kleiner Nebenverdienst für sie sein...

Entstehung der (nach-)schulischen Einrichtung Class of Hope im Jahre 2011.

Das Projekt „Class of Hope“ wurde 2011 von Christoph Schmidtke, einem der Vorstandsmitglieder von INGEAR, zusammen mit Dhammika de Silva, einer Lehrerin aus Sri Lanka, die jetzt Direktorin und Managerin vor Ort ist, ins Leben gerufen. Christoph war persönlich bei der Gründung des Projekts in Sri Lanka. Bereits seit 2007 besteht Kontakt zu dem Lehrerehepaar Dhammika und Premadasa. Seit Oktober 2011 findet nun Unterricht in der „Class of Hope“ statt.

Unzureichende Vorbereitung von Menschen mit Behinderung auf ein Leben als Erwachsener.

Auf Menschen mit Behinderung wird in Sri Lanka herabgeschaut und teilweise werden sie sogar verachtet. Zwar gibt es für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Sri Lanka einige wenige Sonderschulen, nachschulische Einrichtungen aber nicht. Die Sonderschulen werden allerdings vom sri lankischen Bildungsministerium verpflichtet, auf den mittleren Bildungsabschluss vorzubereiten. Viele Kinder mit Behinderung können diese hohen Anforderungen nicht erfüllen und erhalten daher oft keinen anerkannten Abschluss. Es ist ihnen außerdem oft nicht einmal möglich, eigenständig die Hürden des Alltags zu meistern. Schulische oder nachschulische Einrichtungen, die dies trainieren würden, gibt es nicht – hier setzt die „Class of Hope“ an: Eine lebenspraktische Schule, die vor allem Jugendliche, aber auch bereits erwachsene Menschen mit Behinderung, befähigen soll, sich selbst zu versorgen, den Alltag zu meistern und einen Beruf zu ergreifen.

Die SchülerInnen und Unterrichtsinhalte der „Class of Hope“

Die „Class of Hope“ wendet sich an solche SchülerInnen mit Behinderung, welche der Schulpflicht nachgekommen und/oder an den hohen Anforderungen des Schulsystems gescheitert sind.
Zur Zeit besuchen 11 SchülerInnen, im Alter von 9 bis 32 Jahren , die Class of Hope. Nachmittags kommen weitere 7 SchülerInnen zum Sing- und Tanzunterricht hinzu. Der Unterricht wird von (lebens-)praktischen Inhalten bestimmt und von fünf Lehrerinnen durchgeführt. Auf dem Stundenplan stehen Handarbeitsunterricht, Hygienetraining, Kochen, Computerunterricht, Mathematik, Singhalesisch, Singen und Tanzen.

Die SchülerInnen lernen kleine kunsthandwerkliche Gegenstände herzustellen, um sich später damit ein Zubrot verdienen zu können. Diese Gegenstände, wie zum Beispiel Tischdecken, Kissenbezüge, Dochte für Öllampen, Vasen, Papierblumen für den Tempel, werden später von den SchülerInnen verkauft. So wird nicht nur Geld für die Schule eingenommen, sondern sogleich in einer authentischen Situation Umgang mit Geld und Kunden geübt.
Freitags ist immer Praxistag, der sogenannte "Outing-Day". Hier verlassen die SchülerInnen in der Regel den „Schonraum“ Schule und gehen z.B. Einkaufen, zu Behörden, zum Schwimmen, üben das Busfahren und vieles mehr.

Anbahnung von Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

Integration und Teilhabe für Menschen mit Behinderung sind in Sri Lanka weitestgehend Fremdwörter und finden bis dato kaum statt. Dies anzubahnen ist Leitziel des Projekts. Die SchülerInnen sollen befähigt werden, ein möglichst eigenständiges und selbstbestimmtes Leben als Erwachsene im Einklang mit der Öffentlichkeit führen zu können.
Um dies zu erreichen, werden vor allem die lebenspraktischen Fertigkeiten gefördert.
Denn nur wer sich selbstständig im Straßenverkehr zu Recht findet, einkaufen und mit Geld umgehen kann, ist in der Lage, für sich selbst zu sorgen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Dadurch entstehen auch Kontakte und Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Ein positives Umdenken sowie Einstellungsveränderung kann somit angestoßen werden.

Daneben arbeitet das Projekt in Kooperation mit INGEAR darauf hin, sich langfristig selbst zu finanzieren. INGEAR sieht die Unterstützung des Projekts als „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Deckung aller Ausgaben durch INGEAR und beraterische Funktion

INGEAR finanziert die Miete des Schulgebäudes, sowie anfallende Nebenkosten wie Wasser und Strom. Des weiteren werden die Lehrergehälter gezahlt und neu ab diesem Schuljahr teilweise auch die Fahrtkosten der SchülerInnen übernommen. Dadurch kann auch SchülerInnen aus sehr armen Familien eine regelmäßig Teilnahme am Unterricht ermöglicht werden. Um überhaupt unterrichten zu können, war eine Grundausstattung mit Tischen, Stühlen, Lehr- und Lernmaterial wie Papier, Stifte und Scheren und einer Küche notwendig. Außerdem wurde einmalig eine Nähmaschine für den Nähunterricht, ein Laptop für den Computerunterricht und Musikinstrumente wie Trommeln, Keyboard, etc. für den Musikunterricht angeschafft.

Langfristig soll eine Selbstfinanzierung des Projekts durch Verkäufe der eigens hergestellten Produkte, eventuell dem Anbieten von verschiedenen Dienstleistungen, Organisieren von Konzerten und Ausstellungen verwirklicht werden.

INGEAR steht außerdem den Lehrerinnen in sonderpädagogischen und organisatorischen Fragen beratend zur Seite.

Des weiteren entsendet INGEAR immer wieder Volunteers in das Projekt, die vor Ort mithelfen und zum Teil auch Spendengelder einsetzen. Für INGEAR ist dies sehr wichtig, da den Vereinsidealen „Transparenz“ und „direkter Kontakt“ so Rechnung getragen wird.

Last, but not least möchte die Klasse der Hoffnung ihre SchülerInnen dabei unterstützen, ihre Träume von einem selbstbestimmten, integrierten Leben verwirklichen zu können.

Mehr erfahren in unserem Blog: INGEAR in Sri Lanka