Sr. Anne ist 65 Jahre alt und gehört zu den Ordensschwestern unter den Angestellten des Krankenhauses. Sie ist zusammen mit Sr. Chinamma für die komplette Anästhesie zuständig - Tag und Nacht und das seit Jahrzehnten.
Sr. Anne lebt für ihre Arbeit und verbringt ihre knappe Freizeit mit Gebeten und Spaziergängen. Sie hat ein bewundernswertes Vertrauen in Gott und eine unvergleichbare Aufopferungsbereitschaft und Bescheidenheit. Ungewöhnlich für Indien ist ihre Offenheit im Umgang mit den Problemen ihres Heimatlandes. Sr. Anne wünscht sich für die Zukunft, dass sie weiterhin so vielen Menschen wie möglich helfen kann und eines Tages jedem Menschen unabhängig von Kaste, Religion oder Vermögen die gleiche medizinische Versorgung zuteil werden kann. So ist die lebensfrohe Frau beispielsweise sehr froh, dass dank einer Anschaffung eines neuen Elektrokauters durch Spenden von INGEAR weiterhin Operationen möglich gemacht wurden.

1974 wurde das Krankenhaus von einer deutschen Ordensschwester gegründet. Der Name „Nityaseva” bedeutet “immer bereit zum Dienen”. Diesem Grundsatz haben sich die Schwestern der Gemeinschaft der Missionshelferinnen verschrieben. Ab 1960 haben sie unter Anderem Indien bereist und dort mehrere Krankenhäuser erbaut. 1970 begann der Bau des Nityaseva Hospitals im kleinen Ort Shevgaon im Bundesstaat Maharashtra. Betrieben wird es bis heute von den Schwestern des indischen Zweigs des Ordens, die direkt neben dem Krankenhaus leben. 2008 wurde eine Krankenpflegeschule errichtet, wo jährlich 20 Schülerinnen die Ausbildung zur Krankenschwester und Hebamme ermöglicht wird. Nun soll die Schule ausgebaut werden, um eine auch staatlich anerkannte Ausbildung anbieten zu können.

Das Krankenhaus liegt in einer abgelegenen ländlichen Gegend. Eine Fahrt in die nächsten Städte sowie die Kosten für die Behandlung sind für die meisten dort lebenden Menschen kaum bezahlbar.
Die nächstgrößeren Städte Ahmednagar und Aurangabad liegen jeweils rund 70 km entfernt – eine oft unüberwindbare Distanz. Die Busse brauchen für die Strecke 2-3 Stunden und kosten rund 50 Rupien, was dem Lohn eines Zuckerrohrerntehelfers für drei Tage Arbeit entspricht. Hinzu kommt, dass es in Indien nur dem kleinen, reichen Anteil der Bevölkerung vorenthalten bleibt, für den Krankheitsfall abgesichert zu sein. Eine Krankenversicherung oder die Behandlung in einem privaten Krankenhaus ist somit für die Dorfbewohner unbezahlbar. Im Nityaseva Hospital bezahlen sie je nach Möglichkeiten anteilig für die Behandlung einen sehr geringen Teil (30 Rupien pro Nacht). Auch wer nichts bezahlen kann wird hier versorgt. Obwohl hier neben den fest angestellten Krankenschwestern, 15 Ordensschwestern für 180 Rupien Taschengeld pro Monat arbeiten, reichen die Einnahmen nicht zur Kostendeckung. Deshalb ist das Krankenhaus stark von Spenden aus dem Ausland abhängig.

Das Krankenhaus hat 100 Betten und einen Dorfgesundheitsdienst, der die Bevölkerung der umliegenden Dörfer regelmäßig aufsucht.
Das Krankenhaus hat Stationen für Geburtshilfe, Neugeborenenmedizin, innere Medizin, Chirurgie und allgemeine Medizin sowie eine Intensivstation mit vier Betten und ein separates Haus für an Tuberkulose erkrankte Menschen. Oftmals schlafen zudem Patient*innen auf den Gängen auf dem Boden. Die meisten Patient*innen sind Bauer*innen oder Wanderarbeiter*innen, die überwiegend zur Zuckerrohrernte in der Region verweilen. Häufig erlitten die Patient*innen bei der Feldarbeit einen Schlangenbiss, wofür in der Klinik spezielle Antiseren verfügbar sind. Monatlich erblicken hier zudem rund 300 Kinder das Licht der Welt, wobei sich das Krankenhaus bewusst dagegen entschied, eine Geschlechtsbestimmung vor der Geburt durchzuführen. Hinzu kommen ca. drei Patient*innen pro Monat, die nach einem Suizidversuch intensivmedizinisch betreut werden müssen. Dem Krankenhaus zugehörig ist ebenfalls ein Dorfgesundheitsdienst, der 42 der umliegenden Dörfer besucht und vor Ort Aufklärung, Beratung und Präventionen (z. B. Impfungen) durchführt. Außerdem helfen sie den Frauen dort selbständig und unabhängiger zu werden, indem sie Selbsthilfegruppen einrichten und unterstützen.

Die Gesundheitsversorgung soll weiterhin gewährleistet und ausgebaut werden.
INGEAR unterstützt die Erhaltung der derzeitigen Strukturen sowie die Verbesserung der medizinischen Versorgung im Nityaseva Hospital. Das Netz soll langfristig ausgebaut werden, um so vor allem weiterhin abgelegene Orte zu erreichen, wo derzeit noch keine Möglichkeit besteht, Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten. Aufgrund der Größe des Landes ist das in weiten Teilen der ländlichen Regionen die Regel.
Durch den Dorfgesundheitsdienst soll in der Bevölkerung ein Bewusstsein für Gesundheit und Krankheit entstehen, damit beispielsweise Impfungen nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werden. Außerdem sollen Frauen befähigt und unterstützt werden, sich selbst zu organisieren, staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen und längerfristig ihre Existenz zu sichern.
Zudem wird in dem Projekt versucht Mädchen aus benachteiligten Strukturen eine Ausbildung zu ermöglichen, damit diese selbständig und unabhängig leben können. Andernfalls ist es häufig nötig, dass die Familien der Mädchen eine horrende Mitgift aufbringen müssen, damit diese verheiratet werden können und somit dann auch finanziell abgesichert sind. Die hohe Aussteuer ist eine extreme Belastung für die gesamte Familie und oft mit Grund für psychische Krisen und Suizidversuche.
Das Fernziel der Unabhängigkeit der Projekte steht über allen anderen. Dennoch ist ein Projektabschluss in naher Zukunft noch nicht denkbar.

INGEAR Gelder werden bedarfsorientiert für die Erneuerung der Einrichtung oder zur Bezahlung der laufenden Kosten eingesetzt.
INGEAR unterstützt das Krankenhaus bei der Beschaffung von medizinischen Geräten und Einrichtungsgegenständen. So wurden beispielsweise im Januar 2012 ein Monitor für den OP, ein Elektrokauter für die chirurgischen Eingriffe sowie ein Bett für die Intensivstation durch INGEAR Spenden angeschafft. Zudem werden - je nach Bedarfslage - laufende Rechnungen für Wasser oder Strom übernommen. Weiter wurde der Bau eines neuen Labors mitfinanziert. Hier steht ein spezielles HIV-Testgerät zur Verfügung, das wesentlich zur Verbesserung der Therapie beigetragen hat. INGEAR vermittelt auch Praktika für Freiwillige, die dort im Schnitt drei Monate verweilen. INGEAR steht in einem ständigen Austausch mit den Verantwortlichen des Krankenhauses.

Mehr erfahren in unserem Blog: INGEAR in Indien

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